Verletzungen der thorakolumbalen Wirbelsäule kommen häufig vor, besonders im Übergang zwischen Brust‑ und Lendenwirbelsäule (Th11 bis L2). Dieser Abschnitt ist biomechanisch stark beansprucht, weil die stabile Brustwirbelsäule hier in die deutlich beweglichere Lendenwirbelsäule übergeht. Dadurch entsteht eine Zone erhöhter Belastung, in der Wirbelsäulenfrakturen besonders oft auftreten.
Interdisziplinär entwickelte Empfehlungen
Auf Grundlage der aktuellen wissenschaftlichen Evidenz und eines strukturierten Konsensverfahrens entwickelte eine interdisziplinäre Gruppe aus 13 Fachgesellschaften und Organisationen 32 Empfehlungen zu Diagnostik, Klassifikation, Therapie und Rehabilitation, die alle einstimmig konsentiert wurden. „Die thorakolumbale Wirbelsäule ist ein Bereich, in dem besonders viele Frakturen auftreten und in dem klinische Entscheidungen oft komplex sind. Genau deshalb war es uns wichtig, eine Leitlinie zu entwickeln, die die aktuelle Evidenz klar strukturiert und für alle Fachdisziplinen nutzbar macht“, sagt Prof. Dr. Ulrich Spiegl, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie an der München Klinik Harlaching. Als Koordinator der Leitlinie hebt er vor allem die interdisziplinäre Abstimmung positiv hervor: „Die Leitlinienarbeit bringt unterschiedliche Perspektiven zusammen und schafft eine gemeinsame, verlässliche Grundlage für die Behandlung dieser Verletzungen.“
Kontroversen in der Versorgung
Insgesamt wird die Versorgung von Frakturen der thorakolumbalen Wirbelsäule kontrovers diskutiert. Dennoch gibt es diagnostische und therapeutische Standards, die bei der Behandlung dieser Verletzungen berücksichtigt werden sollten, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.
Orientierung für Diagnostik und Therapie
Die neue Leitlinie bietet eine fundierte Orientierung – von perkutanen und offenen Verfahren über konservative Optionen bis zur Prävention von Folgeschäden – und soll die Versorgungsqualität weiter verbessern.

