Statement von Prof. Dr. Bernd Kladny, DGOU-Generalsekretär und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) sowie Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie m&i-Fachklinik Herzogenaurach:
„Der Generalverdacht, in Deutschland würden zu viele Hüft- und Kniegelenke operiert, hilft weder Patientinnen und Patienten noch der Versorgungsqualität. Wir haben mit EndoCert längst ein funktionierendes System, das genau das leistet, was jetzt politisch gefordert wird: transparente, überprüfbare und leitlinienbasierte Indikationsstellungen. Aus Sicht der DGOU ist es widersprüchlich, Einsparziele zu formulieren und gleichzeitig Maßnahmen vorzuschlagen, die neue Ressourcen binden. Statt zusätzliche bürokratische Hürden wie eine pauschale Zweitmeinung einzuführen, sollte die Politik bestehende Qualitätsinstrumente stärken und gezielt ausbauen. Bislang sind weniger als die Hälfte der Endoprothesen-Kliniken nach EndoCert zertifiziert. Denn die Teilnahme ist freiwillig und verursacht Aufwand und Kosten. Wir empfehlen die verpflichtende Zertifizierung für Kliniken, die Knie- und Hüftendoprothesen einsetzen. Das ist wirkungsvoller als eine Zweitmeinung und sichert die Qualität.“
Statement von Dr. Holger Haas, Vorsitzender der Zertifizierungskommission EndoCert der DGOOC und Chefarzt des Zentrums Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin am Gemeinschaftskrankenhaus Bonn:
„Für viele Betroffene ist der Gelenkersatz kein Komforteingriff, sondern der Weg zurück in ein schmerzfreies und selbstbestimmtes Leben. Wenn medizinisch sinnvolle Operationen verzögert werden, kann das zu unnötigem Leid und Folgeschäden führen. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Eingriffe, sondern ob die richtige Indikation gestellt wird. Das passiert in zertifizierten Zentren bereits heute nach klaren, evidenzbasierten Kriterien. Mit dem Zertifizierungssystem EndoCert steht in Deutschland seit Jahren ein etabliertes Instrument zur Qualitätssicherung zur Verfügung. Kliniken, die als Endoprothetikzentren zertifiziert sind, verpflichten sich, die Entscheidung für oder gegen einen Gelenkersatz strikt leitliniengerecht zu treffen und regelmäßig überprüfen zu lassen.“
Statement von Prof. Dr. Georgi Wassilew, Generalsekretär der DGOU-Sektion AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik und Direktor der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rehabilitative Medizin am Universitätsklinikum Greifswald:
„Wir wollen die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten mit Erkrankungen und Verletzungen der Gelenke nachhaltig verbessern. Dazu gehört auch zwingend die korrekte Indikationsstellung bei der Implantation eines Ersatzgelenks. Qualitätssicherung ist in der Endoprothetik seit Jahren fest verankert. Die EndoCert-Initiative, die von der DGOOC gemeinsam mit Partnern wie der AE entwickelt wurde, basiert auf einem wissenschaftlich fundierten Anforderungskatalog. Er definiert verbindliche Standards für Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität in Kliniken, die künstliche Hüft- und Kniegelenke implantieren. Die Einhaltung dieser Vorgaben wird jährlich im Rahmen eines Vor-Ort-Audits überprüft.“
Das weltweit erste Zertifizierungssystem in der Endoprothetik
Um die Qualität der endoprothetischen Versorgung zu erhalten und zu verbessern, ist ein hohes Maß an Spezialisierung, Kompetenz und Erfahrung erforderlich. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) hat daher gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik (AE) und dem Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) die EndoCert-Initiative zur Zertifizierung medizinischer Einrichtungen für den Gelenkersatz entwickelt. Medizinische Einrichtungen können sich als EndoProthetikZentrum (EPZ) und als EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung (EPZmax) zertifizieren lassen, wenn die Erfüllung der aufgestellten Anforderungen in einem Audit nachgewiesen wird.

