Neues An-Institut für Traumaforschung eröffnet
An der Uniklinik RWTH Aachen wurde das neue Institut für Traumaforschung der AUC – Akademie der Unfallchirurgie eröffnet. Als An-Institut bündelt es künftig wissenschaftliche Aktivitäten, stärkt die traumatologische Forschung und vernetzt Kliniken, Register und Wissenschaft. Ziel ist es, neue Erkenntnisse schneller in die Versorgung von Patientinnen und Patienten zu überführen. „Die Gründung des Instituts ist ein wichtiger Schritt, um die traumatologische Forschung weiter zu stärken und langfristig neue Impulse für die Unfallchirurgie zu setzen. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit und die wissenschaftlichen Entwicklungen, die aus dieser Struktur hervorgehen werden“, erklärt Prof. Dr. Frank Hildebrand, Präsident der DGU. Die Arbeit des Instituts richtet sich dabei an die gesamte DGU und die deutsche Traumatologie – weit über Aachen hinaus.
Die feierliche Eröffnung des neuen Instituts fand am 6. März 2026 im Rahmen der Sitzung des geschäftsführenden DGU-Vorstands in Aachen statt. Künftig soll es Forschung bündeln, innovative Therapiekonzepte fördern und die wissenschaftliche Arbeit der gesamten deutschen Traumatologie unterstützen.
AUC als zentraler Partner der DGU
Die AUC, seit 2004 Tochtergesellschaft der DGU und seitdem zentraler Geschäfts- und Organisationspartner der Fachgesellschaft, koordiniert Fort- und Weiterbildung, betreut medizinische Netzwerke und Versorgungsstrukturen, Register sowie zahlreiche wissenschaftsnahe Projekte – darunter multizentrische Forschungsprojekte und Förderprogramme in Kooperation mit Universitäten, Kliniken und Industriepartnern. Mit dem neuen Institut werden diese Aktivitäten erstmals in einer eigenen akademischen Struktur zusammengeführt.
Netzwerke, Studien und klinische Nähe
Das Institut wird insbesondere Forschungs- und Förderprojekte im Bereich der Unfallchirurgie und Versorgungsforschung koordinieren,multizentrische Studien organisieren, traumatologische Register betreiben und nationale Forschungsnetzwerke unterstützen. Durch die enge Verzahnung von Forschung und klinischer Praxis sollen neue wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden, die direkt in die Versorgung von Patientinnen und Patienten einfließen. Markus Blätzinger, Geschäftsführer der AUC, unterstreicht die strategische Bedeutung des Instituts: „Die akademische Einbettung der wissenschaftlichen Aktivitäten der AUC eröffnet neue Chancen für die Akademie und damit für die gesamte Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie.“ Dr. Katja Walther, die das Institut leitet, ergänzt: „Moderne Traumaforschung entsteht nicht an einem einzelnen Ort, sondern in starken Netzwerken aus Kliniken, Registern und Wissenschaft. Das neue Institut soll genau diesen Austausch ermöglichen.“
Auch der Leiter des Wissenschaftsausschusses der DGU, Prof. Dr. Richard Stange, betont die strategische Bedeutung des Instituts für die Weiterentwicklung der Unfallchirurgie in Deutschland. „Das neu gegründete Institut wird eng mit dem Wissenschaftsausschuss zusammenarbeiten. Die Forschung der DGU kann dadurch erheblich profitieren – zum Nutzen aller unfallchirurgischen Kliniken und ihrer Patientinnen und Patienten.“
Nachhaltige Stärkung der deutschen Traumatologie
Durch die Zusammenarbeit mit mehreren Kliniken der Uniklinik RWTH Aachen – vor allem mit der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, aber auch der Operativen Intensivmedizin und Intermediate Caresowie der Klinik für Neurochirurgie – entsteht auch ein stark vernetztes lokales Forschungsumfeld. Mit der Bündelung dieser Aktivitäten hat das neue Institut das Potenzial, das Forschungsprofil der deutschen Traumatologie nachhaltig zu stärken.
Dr. Katja Walther führt das neue Institut

Was hatten Sie vor der Institutsleitung für eine Position inne?
Dr. Katja Walther: In den vergangenen zweieinhalb Jahren war ich bei der Deutschen Rentenversicherung Bund in dem Grundsatz- und Querschnittsbereich tätig und habe mich dort mit Rehabilitation und Versorgungsforschung beschäftigt. Besonders prägend war für mich die Betreuung des PaTronus-Projekts, über das sich auch den Weg zur AUC gefunden habe. Zuvor war ich viele Jahre am Unfallkrankenhaus Berlin tätig, einem Ort, an dem mein beruflicher Weg als Ärztin begonnen hat und auf besondere Weise geprägt wurde. Dort habe ich bereits als studentische Hilfskraft gearbeitet und durfte mich unter der Förderung von Prof. Axel Ekkernkamp fachlich und persönlich entwickeln.
Was hat Sie persönlich zur Traumaforschung geführt?
Dr. Katja Walther: Von Anfang an hat mich hat die Akutsituation fasziniert, der Moment im Schockraum, in dem viele Disziplinen zusammenkommen und Entscheidungen unter höchstem Zeitdruck getroffen werden müssen. Lange habe ich zwischen Anästhesie und Unfallchirurgie geschwankt, weil mich beide Perspektiven der Notfallmedizin begeistert haben. Letztlich habe ich den Facharzt für Anästhesiologie gemacht und die Zusatzbezeichnungen Intensiv und Notfallmedizin erworben. Es war aber die Zusammenarbeit mit der Unfallchirurgie und der ganzheitliche Blick auf den verletzten Menschen, der mich zur Traumatologie und später auch zur Traumaforschung geführt hat.
Welche Themen liegen Ihnen in der traumatologischen Forschung besonders am Herzen?
Dr. Katja Walther: Eine gute Frage – aber im Grunde ist es tatsächlich der gesamte Weg eines Traumapatienten: von dem Moment an, wenn ich als Notarzt die Notfallversorgung des Patienten abgeschlossen habe bis über die Rehabilitation zu den langfristigen funktionellen Ergebnissen. Viele Entscheidungen in der Akutphase haben Auswirkungen weit über die erste Behandlung hinaus. Deshalb halte ich es für wichtig, Versorgung, Rehabilitation und wissenschaftliche Auswertung stärker zusammenzudenken.
Was motiviert Sie an der Leitung eines wissenschaftlichen Instituts?
Dr. Katja Walther: Am stärksten motiviert mich die Möglichkeit, Menschen, Ideen und Perspektiven miteinander zu verbinden. Gute Forschung entsteht meist dort, wo unterschiedliche Erfahrungen aufeinandertreffen, aus Klinik, Wissenschaft und Versorgungssystem. Ein Institut zu leiten, bedeutet für mich deshalb vor allem, solche Räume für Zusammenarbeit, Teamwork und neue Fragestellungen zu schaffen. Wie ich auch meinen Kindern immer sage: es gibt nie so viele Probleme, wie es Lösungen gibt.
Welche Schwerpunkte möchten Sie als Institutsleiterin setzen?
Dr. Katja Walther: Ich möchte insbesondere die Versorgungsforschung in der Traumatologie weiter stärken sowie die Schnittstellen zwischen Akutmedizin und langfristigen Outcomes stärker in den Focus nehmen. Gleichzeitig ist es mir wichtig, dass Forschungsfragen aus dem klinischen Alltag entstehen – aus den Situationen, die wir täglich in der Versorgung von Verletzten erleben.
Welche Impulse möchten Sie in die DGU und die deutsche Forschungslandschaft einbringen?
Dr. Katja Walther: Ich möchte dazu beitragen, klinische Erfahrung, Daten aus der Versorgung und wissenschaftliche Methoden enger miteinander zu verbinden. Gerade in der Traumatologie haben wir ein großes Potenzial, aus der realen Versorgung zu lernen und daraus evidenzbasierte Verbesserungen für Patienten abzuleiten. Ich möchte das unser Institut der zentrale Koordinationsstelle für die DGU wird, wenn über Forschung, Evidenz oder Leitlinien gesprochen wird.

