Seit Februar 2026 gibt es in Deutschland erstmals eine systematisch erarbeitete evidenzbasierte S3-Leitlinie zur Stilldauer. Diese empfiehlt, Kinder mindestens zwölf Monate zu stillen – und stärkt damit wissenschaftlich die Bedeutung des längeren Stillens. Die gesundheitlichen Vorteile sind umfassend: Mütter profitieren unter anderem von einem geringeren Brustkrebs und Osteoporoserisiko, Kinder von weniger Infektionen und einem reduzierten Risiko für chronische Erkrankungen wie Asthma oder atopische Dermatitis und Entwicklungsstörungen wie ADHS oder Autismus. Für Chirurginnen ist die Leitlinie auch arbeitsrechtlich relevant: Denn das Mutterschutzgesetz schützt nicht nur Schwangere, sondern ausdrücklich auch Stillende. Arbeitgeber müssen im ersten Lebensjahr des Kindes Still und Abpumpzeiten ermöglichen und auch über das erste Lebensjahr hinaus besondere Arbeitszeiten wie Nacht-, Bereitschafts- oder Wochenenddienste anpassen. Die Leitlinie kann damit vielen Ärztinnen Rückenwind geben, stillend in den OP zurückzukehren.
Die neue Empfehlung ist federführend von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi) sowie weiteren Fachgesellschaften erarbeitet worden.
Der erste Teil der Leitlinie „Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung“ ist bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) online abrufbar. Er wird künftig um weitere Empfehlungen ergänzt, die sich mit wirksamen Maßnahmen zur Stillförderung befassen.