Ein Jahrzehnt als Generalsekretär von DGOU und DGOOC: Verlässlichkeit in bewegten Zeiten
Seit zehn Jahren prägt er das gemeinsame Selbstverständnis eines ganzen Faches – stetig, verlässlich und mit klarem Kompass. Als Generalsekretär von DGOU und DGOOC hat er O&U näher zusammengeführt, politische Prozesse mitgestaltet und zugleich seine Chefarztrolle ausgeführt. Im Interview spricht Prof. Dr. Bernd Kladny über Verantwortung, Wandel und die Kunst, den Moment ernst zu nehmen.
Herr Prof. Kladny, wenn Sie auf Ihre Doppelfunktion als Generalsekretär zurückblicken: Wie hat sich diese Rolle verändert?
Prof. Dr. Bernd Kladny: Als ich vor zehn Jahren angefangen habe, waren O&U in ihrem Selbstverständnis und auch in der Arbeitsorganisation noch deutlich stärker getrennt. Es gab Redundanzen, unklare Zuständigkeiten und ein eher zementiertes Nebeneinander. Heute haben wir ein gemeinsames Verständnis: Jeder ist Facharzt für O&U, egal, welche Spezialisierung später dazukommt. Wir haben die Satzung modernisiert, die Sektionen neu geordnet und die Strukturen so ausgerichtet, dass wir das ganze Fach gemeinsam vertreten können. Die DGOU steht nun sichtbar für das gesamte Bewegungssystem. Das war ein großer Schritt, der viel innere Überzeugungsarbeit gebraucht hat, aber wir haben ihn geschafft.
Was hat sich inhaltlich verändert?
Kladny: Die Gesundheitspolitik hat enorm an Bedeutung gewonnen. Wir mussten lernen, wie politische Prozesse funktionieren, wie Kammern und Gesetzgebung arbeiten. Fachliche Positionen allein reichen nicht mehr, sie müssen in Weiterbildungsordnungen und Regularien ankommen. Auch das Ehrenamt hat sich gewandelt: mehr Compliance, weniger spontane Freiräume, eine deutlich rauere Kommunikationskultur. Durch Social Media steht man heute mit jedem Satz im Fokus. Das macht die Arbeit anspruchsvoller, aber auch relevanter.
Wie gelingt der Spagat zwischen Klinik und Fachgesellschaft?
Kladny: Meine Klinik muss funktionieren, erstmal kommen die Patienten, die Qualität und das Team. Dass ich mich daneben für die Fachgesellschaft engagieren kann, verdanke ich verlässlichen Kolleginnen und Kollegen sowie einem Arbeitgeber, der das unterstützt. Ohne geordnete Patientenversorgung wäre diese Aufgabe nicht möglich.
Richten wir den Blick nach vorn: Welche Themen stehen an?
Kladny: Wesentliche strukturelle Meilensteine, wie die Satzungsreform, sind erreicht. Jetzt geht es darum, diese Strukturen mit Leben zu füllen, die Sektionen noch stärker einzubinden und die gemeinsame Stimme des Faches weiter zu schärfen. O&U beeinflussen die Lebensqualität von der Kindheit bis in das hohe Alter. Oft wird das unterschätzt oder als Lifestyle-Thema abgetan. Tatsächlich ermöglichen wir Teilhabe, Selbstständigkeit, Lebensfreude. Diese Bedeutung verdient mehr politische Aufmerksamkeit – dafür möchte ich mich weiterhin einsetzen.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Swetlana Meier, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DGOU
KLADNY GANZ PERSÖNLICH
Wie gelingt es Ihnen, abzuschalten?
Ich brauche keine besonderen Rituale, eher Achtsamkeit: im Moment sein, nicht schon drei Schritte weiter. Kleine Auszeitinseln im Alltag helfen und bewusst Zeit für sich und die Menschen nehmen, die einem nahestehen.
Drei Worte, die Sie als Generalsekretär beschreiben?
Verlässlich. Erfahren. Kompetent.
Was sagt Ihre Familie zu einer weiteren Amtszeit?
Meine Frau ist seit 34 Jahren an meiner Seite und unterstützt mich, indem sie mir den nötigen Raum lässt. Wir teilen viele schöne Momente, auch Kongressbesuche. Sie ist zufrieden, wenn ich zufrieden bin – und umgekehrt. Ein guter Deal.

