Herr Professor Pennig, nach acht Jahren im Amt scheiden Sie nun als Generalsekretär der DGU und DGOU aus. Warum? Gab es einen konkreten Anlass?
Prof. Dr. Dietmar Pennig: Der Anlass ist schlicht die Satzung der DGU: Nach zwei Amtszeiten ist keine Wiederwahl mehr vorgesehen. Ich halte diese Regelung grundsätzlich für sinnvoll, sie schafft Raum für neue Ideen, neue Blickwinkel und frische Impulse. Ein Wechsel bedeutet immer auch eine Chance, eine Organisation weiterzuentwickeln. Es ist gut, wenn neue Personen Verantwortung übernehmen. Jeder bringt eigene Perspektiven und Schwerpunkte ein, das hält die Gesellschaft lebendig.
Worauf blicken Sie mit besonderem Stolz zurück?
Prof. Dr. Dietmar Pennig: Es gab viele schöne Momente. Besonders eindrücklich war in diesem Jahr die gemeinsame Pressekonferenz mit der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DRLG). Das ist ein Thema von großer gesellschaftlicher Bedeutung, die engagierte Arbeit von vielen Tausenden Ehrenamtlichen, die uns als Ärztinnen und Ärzte, aber auch als Menschen berührt. Und wenn ich an den Anfang meiner Amtszeit denke: Die erste gemeinsame Mitgliederversammlung aller drei Fachgesellschaften war ein Meilenstein. Davor tagten sie getrennt, ein Jahr nach meinem Amtsantritt gelang uns die Zusammenführung. Das hat gezeigt: Orthopädie und Unfallchirurgie gehören zusammen und wachsen weiter zusammen.
Fühlt sich der Abschied eher nach Befreiung oder nach Wehmut an?
Prof. Dr. Dietmar Pennig: Weder, noch. Ich empfinde vor allem Dankbarkeit. Ich war schon 2008 bei der Gründung der DGOU dabei und habe die Urkunde im Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin mit unterschrieben – ein sehr emotionaler Moment. Damit wurde ein Lebenstraum von vielen von uns – die Orthopädie und Unfallchirurgie zusammenzuführen – erfüllt. Das hat mich tief bewegt. Und: Die Berufspolitik wird mich auch in Zukunft definitiv nicht loslassen!
Sie wollen also weiterhin Themen aus der Orthopädie und Unfallchirurgie stark machen?
Prof. Dr. Dietmar Pennig: Ja, unbedingt. Es ist wichtig, dass die orthopädisch/unfallchirurgische Perspektive auch künftig eine starke Stimme hat. Sonst laufen wir Gefahr, dass andere Akteure Themen besetzen, die eigentlich zu unserem Kompetenzfeld gehören. Ich möchte dazu beitragen, dass wir diese Positionen bewahren und ausbauen, mit einem konstruktiven Verhältnis zu allen Partnern.
Wie werden Sie die nächste Zeit verbringen?
Prof. Dr. Dietmar Pennig: Wir haben gerade unser zweites Enkelkind bekommen, da freue ich mich auf etwas mehr Großvaterzeit und unterstütze damit meine Schwiegertochter, die eine Zahnarztpraxis übernimmt. Und wenn sich Zeit findet, gehe ich segeln. Im Frühjahr steht eine Reise in die Südsee an – eine ganz andere Perspektive auf die Welt, jenseits von Bildern und Nachrichten.
Was werden Sie an der DGOU am meisten vermissen?
Prof. Dr. Dietmar Pennig: Ganz klar: die Menschen. Viele engagierte Mitstreiter in den Gremien, im Vorstand und den Sektionen. Besonders auch das Team in der Geschäftsstelle – eine beeindruckende Gruppe, engagiert, unterschiedlich und voller Energie. Jede Begegnung, jede Sitzung, jede Videokonferenz war ein Gewinn. Diese enge Zusammenarbeit werde ich sehr vermissen.
Haben Sie persönliche Wünsche oder Vorsätze für das neue Jahr?
Prof. Dr. Dietmar Pennig: Keine Vorsätze, aber einen großen Wunsch: Frieden in Europa. Die aktuelle Weltlage mit ihren Spannungen und Kriegen beschäftigt mich sehr. Ich kenne viele Menschen in Russland und in der Ukraine, und es schmerzt zu sehen, wie überall Menschen leiden. Wir brauchen mehr Rücksichtnahme, weniger Egoismus und das Bewusstsein, dass wir alle auf derselben Welt leben.
Was möchten Sie Ihren Nachfolgerinnen und Nachfolgern mit auf den Weg geben?
Prof. Dr. Dietmar Pennig: Dass sie mit Begeisterung weitermachen, in engem Austausch mit den Gremien stehen und das großartige Team in der Geschäftsstelle unterstützen, aber sich auch unterstützen lassen. Und sich den Enthusiasmus bewahren. Vor allem aber: Zur gegebenen Zeit das Richtige tun. Mit einem Quäntchen Glück gelingt das meist.
Vielen Dank für das Gespräch – und alles Gute für Ihren weiteren Weg!
Prof. Dr. Dietmar Pennig: Danke – Sie werden mich so schnell nicht los.
Das Interview führten Susanne Herda und Swetlana Meier, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DGOU

