Neue nationale ATLS-Kursdirektion: Der rote Faden in der Schwerverletztenversorgung
ATLS kann ein sicherer Weg in der Versorgung von Schwerverletzten sein, meint Dr. Lisa Hackenberg. Besonders junge Medizinerinnen und Mediziner profitierten von diesem Algorithmus. ATLS – Advanced Trauma Life Support – ist ein Aus- und Fortbildungskonzept für das Schockraum-Management, das vermitteln soll, wie das Leben von Schwerverletzten gerettet werden kann. Bereits als junge Assistenzärztin wendete Hackenberg als Providerin in ihrer täglichen Praxis die Richtlinien dieses „Versorgungsprotokolls“ an. Im Jahr 2022 konnte sie sich zur Instruktorin ausbilden lassen und wurde nach zahlreichen Einsätzen in diesem Jahr als Direktorin in das ATLS-Board geholt. Am 1. Juli 2025 übernahm sie dann das Amt der nationalen Kursdirektorin und trat in die Fußstapfen von Dr. Frithjof Wagner, der zehn Jahre dieses Amt ausfüllte. Im Interview erzählt die Chirurgin und Oberfeldärztin im Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, was sie an dieser Funktion reizt.
Was möchten Sie in Ihrer Rolle als Kursdirektorin besonders voranbringen?
Dr. Lisa Hackenberg: Bereits zu Beginn meiner Tätigkeit als Assistenzärztin durfte ich im Jahr 2011 an meinem ersten ATLS-Kurs teilnehmen. Ab da war ich fachlich und didaktisch von ATLS begeistert. Dieser prioritätenorientierte Behandlungsalgorithmus hat mir geholfen, Schwerverletzte strukturiert, fokussiert und standardisiert zu versorgen, ohne dass ich bereits über jahrelange Expertise verfügte. In meiner Rolle als nationale Kursdirektorin möchte ich genau diese Begeisterung und Überzeugung zusammen mit der Faculty an unsere Teilnehmenden weitergeben. Gemeinsam mit dem ATLS-Board Deutschland wollen wir das bewährte Programm fortführend konzeptionell modernisieren und zeitgemäß halten.
Was reizt Sie an der Aufgabe als ATLS-Kursdirektorin?
Dr. Lisa Hackenberg: Besonders reizt mich der fachliche Austausch mit der Faculty, den Providern und den anderen ATLS-Nationen, speziell Europa, USA und Südafrika. Wir können stets voneinander lernen und gemeinsam daran arbeiten, die Schwerletztenversorgung weltweit zu verbessern. Dabei bilden sich wichtige Netzwerke und sogar weltweite Freundschaften.
Warum lohnt sich ATLS?
Dr. Lisa Hackenberg: Das tägliche ärztliche Arbeiten verlangt Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und zielgerichtetes Handeln. Gerade für junge Ärztinnen und Ärzte ist das neben der fachlichen Weiterentwicklung in meinen Augen eine besondere Herausforderung, die erlernt werden kann und muss. ATLS kann mit seinem prioritätenorientierenten Behandlungsalgorithmus einen Vorschlag zur strukturierten Schwerverletztenversorgung machen und einen roten Faden geben. Es lohnt, sich Skills zu erlernen, um im Falle der realen Anwendung vorbereitet zu sein. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, diese Struktur und die klare Herangehensweise auch im täglichen Alltag auf viele weitere Herausforderungen zu übertragen.
Das Interview führte Susanne Herda, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DGOU.
Was ist ATLS?
In Deutschland werden Schwerverletzte nach den Richtlinien des Versorgungsprotokolls Advanced Trauma Life Support (ATLS) strukturiert versorgt. ATLS ist ein weltweites Ausbildungskonzept, das ein standardisiertes, prioritätenorientiertes Schockraummanagement von Traumapatienten lehrt. Ziele sind die schnelle und genaue Einschätzung des Zustands der Traumapatienten, die prioritätenorientierte Behandlung und die Entscheidung, ob die eigenen Ressourcen zur Behandlung des Patienten ausreichen oder ein Transfer zu erwägen ist. Die Einführung von ATLS in Deutschland wurde 2003 durch die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) ermöglicht, die die Lizenz für das Programm vom American College of Surgeons (ACS) erwarb und es aus den USA nach Deutschland brachte.
Nationales ATLS-Board Deutschland
Dr. Lisa Hackenberg ist die neue Kursdirektorin im ATLS-Board Deutschland und wird von fünf weiteren Mitgliedern unterstützt:
Sebastian Imach, Stellvertretender nationaler Kursdirektor
Sebastian Klinger, nationaler Kurskoordinator und Providerverantwortlicher
Marcellus Hofmann, nationaler Edukator
Thomas Paffrath, Verantwortlicher Instruktorenausbildung
Carsten Culbe, Verantwortlicher Instruktorenausbildung

